Finanzkrise
Die EZB und der Zinssatz
Häufig ist der sogenannte Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) Gegenstand von Nachrichtenmeldungen. Doch die wenigsten Menschen wissen, was es bedeutet, wenn die Notenbank den entsprechenden Wert um 25 Zähler nach oben oder unten korrigiert und sie ahnen auch nicht, dass diese Veränderungen direkten Einfluss auf die Sparguthaben haben.
Die EZB als Kreditgeber
Die EZB verschenkt das von ihr gedruckte Geld nicht einfach, sondern bringt es mit Hilfe von Krediten in Umlauf. Konkret bedeutet dies, Banken können sich von der Notenbank Geld leihen, das sie später natürlich auch wieder zurückbezahlen müssen. In den Monaten Dezember 2011 bis März 2012 schüttete die EZB mehr als eine Billion Euro auf diese Weise aus. Das Geld wird jedoch nicht zum Nulltarif gegeben, sondern zu einem Zinssatz, den man als Leitzins bezeichnet. Der entsprechende Wert bezeichnet also die Summe, zu der sich Banken von der Zentrale in Frankfurt frisches Geld besorgen können.
Vom Leitzins über den EURIBOR zum Tagesgeld
Die Leitzinsgebung hat direkten Einfluss darauf, wie sich die Zinsen aktuell auch auf Spareinlagen, wie zum Beispiel dem Tagesgeld, entwickeln. Denn als Alternative zum Kredit von der EZB können sich die Banken auch untereinander Geld leihen. Der entsprechende Zinssatz ist der EURIBOR (European Inter Bank Offered Rate), der im Idealfall auf dem Leitzins basiert. Das heißt, in den Phasen des wirtschaftlichen Wohlstands kann der EURIBOR sogar leicht unter dem Leitzins liegen, damit es sich günstiger ist, sich von einer anderen Bank statt von der EZB Geld zu leihen. Gibt es eine Finanzkrise, dann ist es genau andersrum. Der Leitzins wird unter den EURIBOR gesenkt, damit die Banken nach wie vor an günstiges Geld kommen. Dabei tritt der Leitzins aber auch in Konkurrenz zum Tagesgeld und den anderen Spareinlagen. Denn auch auf diese Weise können sich Banken Kapital besorgen: Genau betrachtet ist so eine Spareinlage bei der Bank nur ein Darlehen für das Geldhaus zu einem festgelegten Zinssatz. Je niedriger der Leitzins, desto niedriger sind auch die Zinsen auf die Spareinlagen, denn es ist einfach günstiger für die Banken, zur EZB zu gehen. Damit die Spareinlagen jedoch nicht an Konkurrenzfähigkeit verlieren, werden dann auch ihre Renditequoten gesenkt.
Zinsen aktuell: Auf den Letzins kommt es an
Der Leitzins der EZB dient dazu, dass der europäische Kapitalmarkt funktioniert, weil sich die Banken in der Krise entweder günstig Geld leihen können oder im Boom dazu animiert, sich gegenseitig Geld zu geben, um so die Wirtschaft anzukurbeln. Desto niedriger der Leitzins ist, desto schlechter ist es für die Sparer, weil die dann auch ihre Zinsen aktuell sinken.